
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet zwischen 15.000 und 20.000 Unternehmen in der EU, ab 2026/2027 ihre Nachhaltigkeitsberichte nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) zu veröffentlichen. Ein zentraler Bestandteil dieser Richtlinie ist ESRS E5, der Standard für Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft.
ESRS E5 ist der EU-Berichtsstandard für Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft – Teil des European Green Deals. Der Standard zielt darauf ab, die lineare Wirtschaft („Take-Make-Dispose") in Richtung Kreislaufwirtschaft zu transformieren.
Unternehmen müssen offenlegen: wie viel Material sie einsetzen, wie viel Abfall sie erzeugen, und wie kreislauffähig ihr Geschäftsmodell tatsächlich ist – als prüfbare, belastbare Zahlen mit dokumentierter Datenherkunft.

Prozesse zur Identifikation materieller Auswirkungen, Risiken und Chancen in der Wertschöpfungskette
Richtlinien zur Transition weg von Primärrohstoffen, nachhaltige Sourcing-Strategien und Abfallhierarchie
Konkrete Maßnahmen zur Ressourceneffizienz, Circular Design und kreislaufwirtschaftliche Geschäftsmodelle
Messbare, wissenschaftsbasierte Ziele mit Bezug zu ökologischen Grenzen und der Wertschöpfungskette
Gesamtgewicht aller Materialien nach Typ, Kritikalität, Erneuerbarkeit und Sekundärrohstoff-Anteil
Abfallmengen nach Verwertungsweg, Produktlebensdauer, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit
Die Herausforderung ist nicht strategisch, sondern technisch-operativ. Bestehende Systeme waren für lineare Wirtschaft und Finanzberichterstattung optimiert, nicht für Kreislaufwirtschaftsberichterstattung.
Die CSRD-Berichtspflicht entfaltet sich in Wellen. Der Countdown hat bereits begonnen.
Ab 2025 zu berichten
PIU (Public Interest Entities) und große Unternehmen (Bilanzsumme > €25 Mio, Umsatz > €50 Mio, Beschäftigte > 250). Etwa 500 Unternehmen in Österreich.
Ab 2026 zu berichten
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – erste Welle: Bilanzsumme > €450.000, Umsatz > €900.000, Beschäftigte > 10. Etwa 2.500–3.500 KMU in Österreich.
Ab 2027 zu berichten
Weitere KMU-Ausweitung und vollständige Implementierung der CSRD-Anforderungen.
Ab Berichtsjahr 2025/2026 müssen folgende Daten prüfungsfähig vorliegen:
Direkte Messung vs. Schätzung, Annahmen und deren Begründung, Genaugkeitsstufen und Unsicherheiten, Quellenangaben (Lieferscheine, Messprotokolle, Zertifikate)
Dokumentierte Formeln und Konversionsfaktoren, Abgrenzungskriterien, Behandlung von Datenüberschneidungen (Vermeidung von Double-Counting)
Vergleichbarkeit mit Vorjahren, Nachvollziehbarkeit von Mengenänderungen, Dokumentation von Verbesserungen in der Datenqualität
Critical Raw Materials nach CRM-Liste, biologische Materialien mit Zertifikation, Rezyklate/Sekundärmaterialien mit Herkunftsnachweis
Fehler: Schätzungen auf Basis von Durchschnittswerten
Konsequenz: Audit Findings, Nachbesserungen, Zeitdruck
Fehler: Abweichungen in der Klassifizierung von Abfällen zwischen Jahren
Konsequenz: Vergleichbarkeitsfragen, potenzielle Qualifikation
Fehler: Sekundärrohstoffe, die intern erzeugt werden, nicht erfasst
Konsequenz: Unterbewertung von E5-4 Indikatoren, fragwürdige Circular Economy Claims
Fehler: Lieferketten-Daten fragmentiert, nicht integriert
Konsequenz: Lückenhafte Offenlegung, potenzielle Materialität-Fragen
Unternehmen, die ESRS E5 erfolgreich umsetzen wollen, brauchen nicht nur Strategie und Software, sondern eine technisch-operative Datenarchitektur, die unterhalb des Reports ansetzt.
Einkauf → Produktion → Lagerung → Versand. Produktionsabfälle und Prozessverluste. End-of-Life und Entsorgungsweg. Supplier-Level Transparenz.
ERP-Daten (Einkauf, Lagerbestand), Produktionssysteme (MES, SCADA), Entsorgungssysteme (Nachweise, Zertifikate), externe Supplier-Daten.
Harmonisierte Materialklassifikation, eindeutige Zuordnung zu ESRS E5 Kategorien, Verfolgbarkeit von Sekundärrohstoffen, Massenbilanz-Validierung.
Dokumentation der Datenherkunft, Annahmen und deren Begründung, Audit-Trails für Nachverfolgung, jährliche Datenaktualisierung und -validierung.
Nicht als One-Time-Projekt, sondern als laufender Prozess. Prozessoptimierung und Datenqualitätsverbesserung. Anpassung an regulatorische Änderungen.
ESRS E5 steht nicht isoliert. Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft sind integraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und verbunden mit anderen Standards.
Materialeffizienz reduziert CO₂, Energieeinsatz in Produktion
Abfallmanagement, gefährliche Stoffe in Materialeinsatz & Abfall
Wassereinsatz in Ressourcen-Inflows; Abwasser aus Produktion
Rohstoff-Sourcing und Landnutzung (biologische Materialien)
Sichere Handhabung von Materialien und Abfall, Gesundheit
Negative Auswirkungen durch Abfall und Ressourcenabbau
ESRS E5 ist nicht isoliert – es ist Teil eines wachsenden regulatorischen Netzes:
Packaging & Packaging Waste Regulation ab August 2026: umfassende Dokumentationen für Verpackungshersteller
Corporate Sustainability Due Diligence Directive: Menschenrechts- und Umwelt-Due-Diligence ab 2027
Carbon Border Adjustment Mechanism: CO₂-Grenzausgleich (Pilotphase läuft)
Extended Producer Responsibility: Hersteller verantwortlich für End-of-Life
Monat 1-2
Status quo der Materialdaten erfassen, Systemlandschaft analysieren, Datenlücken priorisieren, Auditing-Anforderungen verstehen.
Deliverables: Gap-Analyse Bericht, priorisierte Handlungsfelder, Estimate für Datenerfassung
Monat 2-4
Datenmodell für ESRS E5 Kategorisierung definieren, Datenquellen-Mapping durchführen, IT-Infrastruktur aufbauen, Schnittstellen etablieren.
Deliverables: Datenmodell-Dokumentation, konfigurierte IT-Schnittstellen, First-Pass Materialdaten
Monat 4-6
Datenqualität validieren, Prozesse optimieren, Audit-Readiness testen, Schulungsprogramm etablieren.
Deliverables: Validierte Pilot-Daten, Prozess-Dokumentation, Schulungsmaterialien
Monat 6-12
Organisation-weites Datenerfassungs-System live setzen, Supplier-Integration durchführen, jährliche Reporting-Zyklen etablieren.
Deliverables: Live-System für ESRS E5 Datenmanagement, erste validierte Berichtsdaten, laufende Optimierungen
6-12 Monate für vollständige Implementierung
50-150k EUR abhängig von Komplexität
Cross-funktional: IT, Einkauf, Produktion, ESG
E5 Impact, Risks & Opportunities identifiziert und dokumentiert
Anforderungen für E5-4 (Inflows) und E5-5 (Outflows) geklärt
Datenbeschaffung von Lieferanten geklärt (z.B. für Rohstoffzusammensetzung)
Regelmäßige Datenerfassung in Einkauf, Produktion, Entsorgung etabliert
Methodologie und Annahmen für Datenberechnung dokumentiert
Keine merklichen Brüche oder Inkonsistenzen zwischen Jahren
Jede Zahl kann zu ihrer Quelle rückverfolgt werden
Input + Abfall ≈ Output + Lagerveränderung (Toleranzen <5%)
Alle Annahmen, Schätzungen, Korrekturen dokumentiert
Excel-Annahmen minimiert, Systeme als Quelle bevorzugt
Mit ESRS E5 Anforderungen und Anwendungsrichtlinien abgestimmt
Ja, wenn Sie unter die CSRD fallen (große Unternehmen ab 2025, KMU ab 2026). Ausnahmen gibt es nur für Kleinstunternehmen oder wenn "Resource Use & Circular Economy" nicht materiell für Ihr Geschäft sind – was selten der Fall ist.
Kurzfristig vielleicht, aber das ist riskant. Wirtschaftsprüfer prüfen die Herkunft von Daten. Schätzungen auf Basis von Branchendurchschnitten halten selten einer Audit-Prüfung stand. Direktmessungen sind dauerhaft haltbar.
Die ersten 6–12 Monate erfordern signifikanten Aufwand (Datenaudit, Systemintegrationen, Supplier-Engagement). Dann wird es Routine. Budget realistisch: 50–150k EUR, abhängig von Komplexität.
Ja, Sie können diese verlangen. Direkter Materialeinsatz können Sie selbst erfassen. Aber für Upstream-Auswirkungen müssen Sie mit Lieferanten zusammenarbeiten. Best Practice: Strukturierter Datenbeschaffungs-Prozess mit klaren Anforderungen.
PPWR ab August 2026 wird noch granularer als ESRS E5. Wenn Sie heute E5-Daten strukturieren, sind Sie morgen bereit für PPWR. Mit E5-Daten können Sie PPWR-Anforderungen eher erfüllen.
Ein Berater kann bei Strategie und Dokumentation helfen, aber nicht bei operativer Datenerfassung. Die Daten entstehen in Ihren Prozessen. Das kann kein externer Berater für Sie machen. Sie brauchen interne Ownership.
Audit Qualifikation, Nachbesserungen kurz vor Veröffentlichung, regulatorische Bußgelder (bis zu 5% Umsatz), Vertrauensverlust bei Stakeholdern, Corporate Governance & Haftungsrisiken.
80-90% der betroffenen Unternehmen haben keine prüfbaren Materialdaten
Erste große Welle der CSRD-Berichtspflicht für KMU
Notwendige Implementierungszeit für robuste Datenarchitektur
Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Unternehmen, die heute mit E5-Datenstrukturen starten, werden Audits sicherer bestehen, operative Effizienzgewinne realisieren, besser auf PPWR vorbereitet sein und sich wettbewerblich differenzieren.
Wo stehen Sie heute mit Ihren Materialdaten?
Welche Systeme haben welche Daten?
Wie bauen Sie Dateninfrastruktur auf?
Welche Daten können sie liefern?
Wer trägt Verantwortung für die Umsetzung?
Für spezifische Beratung zu Ihrer ESRS E5 Implementierung kontaktieren Sie Nachhaltigkeitsexperten oder zertifizierte CSRD-Berater in Ihrer Region.
MADANA by David Mattersdorfer
VAT ID: ATU74771302
Website: www.madana.at
Email: david@madana.at
Address: Hohenauergasse 13, 1190 Vienna, Austria
Chamber of Commerce Registration: 0551213
ESRS E5 Ressourcennutzung & Kreislaufwirtschaft: Der umfassende Compliance-Leitfaden